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Digitalisierung und Ethik in der Medizin: Wie weit darf man für die Gesundheit gehen?

Das oberste Ziel der Medizin ist die Gesundheit der Menschen – die Behandlung von Krankheiten und die Prävention davor. Dank der Digitalisierung gibt es immer mehr Möglichkeiten und Wege, Erkrankungen früher zu erkennen oder schneller und besser zu behandeln. Doch wie weit darf oder sollte man für die Gesundheit gehen? Was passiert, wenn man Chancen gegen Risiken abwägen muss?

Digitalisierung im Gesundheitswesen: Chancen und Risiken

Die Möglichkeiten und Optionen, die die Digitalisierung im Gesundheitswesen mit sich bringt, wachsen immer mehr und werden immer vielfältiger. Zum Beispiel ist es mittlerweile möglich, dass VR-Umgebungen bei der Vorbereitung auf Operationen genutzt werden, das ist vor allem für Studierende sehr hilfreich.

Es gibt aber noch weitere Vorteile, die die Digitalisierung in der Medizin mit sich bringt:

  • Verbesserte Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten
  • Effizienz und Zeitersparnis
  • Zugang zu medizinischer Versorgung in ländlichen Gebieten durch Telemedizin

Ein Positiv-Beispiel ist hierbei die elektronische Patientenakte, die eine Vielzahl von Vorteilen mitbringt: Es wird kein Papier mehr benötigt, was auch der Umwelt zugutekommt. Außerdem sind alle Informationen jederzeit digital abrufbar, was beispielsweise bei einem Arztwechsel oder einer zusätzlichen Konsultation sehr hilfreich ist. Das sorgt auch für eine Zeitersparnis, da die Patientenakten nicht erst von einem Arzt zum nächsten gesendet werden müssen.

Neben den zahlreichen Vorteilen gibt es aber auch Herausforderungen und Bedenken, die ernst genommen werden müssen:

  • Datenschutz und Sicherheit sensibler Gesundheitsdaten
  • Autonomie und Entscheidungsfreiheit der Patienten
  • Ungleichheit im Zugang zur digitalen Gesundheitsversorgung

Wichtig bei der gesamten Thematik ist jedoch, dass die Menschen die digitalen und technischen Fortschritte akzeptieren, da sie sonst nicht verwendet werden können. Daher ist es unabdingbar, dass die rechtlichen aber auch die ethischen und sozialen Aspekte der Anwendungen genau betrachtet werden. Zu diesem Thema gibt es sogar Forschungsgruppen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Medizinethik

Das Kernthema der Medizinethik ist die Moral in der Medizin. In diesem Fachbereich der Medizin steht die Untersuchung von moralischem Denken und Verhalten bei Behandlungen menschlicher Krankheiten im Mittelpunkt, es geht also um das moralisch Gewünschte und Gesollte. Dabei gibt es vier ethische Grundsätze in der Medizin, die eine zentrale Rolle vor allem in der Medizinethik spielen: das Selbstbestimmungsrecht, das Nicht-Schadensprinzip, das Wohlergehen- und Nützlichkeitsprinzip sowie die soziale Gerechtigkeit.

Besonders zu Zeiten der Corona-Pandemie wurde die Bedeutung der Medizinethik besonders deutlich bemerkt, da es zahlreiche so noch nicht da gewesen Situationen gab, in denen Entscheidungen über beispielsweise Ausgangsbeschränkungen gab, bei denen die Gesundheit der Bevölkerung geschützt werden sollte, aber gleichzeitig mussten die Entscheidungen auch moralisch und ethisch vertretbar bleiben.

Behandlung von Erkrankungen des zentralen Nervensystems mittels Computerchips

Das Unternehmen „Neuralink“ wurde von Elon Musk mitgegründet, es gab neben ihm aber noch acht weitere Investoren. Neuralink legt seinen momentanen Fokus auf die Forschung, um es möglich zu machen, Implantate ins menschliche Gehirn einsetzen zu können. Dabei geht es um das sogenannte „Brain-Computer-Interface (BCI)“, was eine Kommunikation zwischen menschlichem Gehirn und Computern ermöglichen soll.

Das Ziel des Unternehmens ist es, Behandlung von Erkrankungen im Gehirn und des zentralen Nervensystems, wie beispielsweise Querschnittslähmungen, zu ermöglichen.

Vor kurzer Zeit erhielt Neuralink die Genehmigung, um die Experimente nun auch an Menschen durchführen zu können. Bisher wurden diese Experimente nur an Tieren, vor allem an Affen, durchgeführt. Das Problem dabei ist, dass die Gründer die Implantate auch als Hilfsmittel bei Umgang mit künstlicher Intelligenz nutzen wollen, was bei vielen Menschen nur bedingt auf Verständnis trifft.

Neuralink – Ein ethisch vertretbares Unternehmen?

In den Diskussionen rund um das Unternehmen wird oft darüber gesprochen, ob die Implantate und das Einsetzen dieser für den Menschen gefährlich sein kann. Ein Punkt, der hierbei zu beachten ist, sind die Lithium-Batterien, die im Implantat verbaut sind, da hier nachgewiesen wurde, dass diese eine Bedrohung für den Menschen sein können. Diese Bedenken wurden sogar bereits vor den ersten Tierversuchen geäußert, aber Neuralink hat dennoch die Genehmigung für die Experimente erhalten, obwohl sie dieses bestehende Problem nicht behoben haben. Zahlreiche unterschiedliche Quellen berichten, dass bei den Experimenten bereits Affen gestorben sind, der Grund hierfür soll in Überarbeitung des Personals liegen. Das sehr stressige Umfeld, dem die Arbeitnehmenden ausgesetzt sind, hat zur Folge, dass Fehler passieren – teilweise vermeidbare. Der Zeitdruck, der beim Einsetzen von Implantaten besteht, hat beispielsweise schon dafür gesorgt, dass bei Schweinen einige Implantate an einem falschen Wirbel eingesetzt wurden.

Oft wird auch über den ethischen Aspekt der Experimente gesprochen: Möchte man wirklich das menschliche Gehirn mit einem Computerchip verbinden? Die Meinungen gehen hier stark auseinander, da viele den Nutzen für Patientinnen und Patienten bei Gelingen der Forschung klar als Vorteil sehen. Andere Stimmen hingegen warnen vor Hackerangriffe und Manipulation der eingepflanzten Implantate. Generell sollte man bedenken, dass Operationen am Gehirn immer hohes Risiko bergen, egal was dabei genau gemacht werden soll. Wenn Menschen bereit sind, dieses Risiko für das Implantat einzugehen, dann muss der Nutzen sehr deutlich überwiegen.

Eigene Entscheidungen treffen

Ein Patient kann grundsätzlich frei darüber entscheiden, ob er die vorgeschlagene Behandlung machen möchte oder nicht. Das bedeutet, dass jede Person für sich selbst entscheidet, ob sie sich im Zweifelsfall für oder gegen die Chance bzw. das Risiko entscheidet. Entscheidend ist dabei nur, dass im Vorfeld eine gute und ausführliche Aufklärung und Beratung durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt erfolgt. An dieser Stelle spielt auch der Staat eine Rolle, da die Wichtigkeit der Überprüfungen von experimentellen Behandlungen – gerade, wenn es um neuartigere Forschung geht – durchaus nicht zu unterschätzen ist.

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