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Künstliche Intelligenz & Cybersecurity – wie passt das zusammen?

Etwa zwei Drittel der deutschen Unternehmen fürchteten im vergangenen Jahr einen Cyberangriff. Die infolge solcher Angriffe entstandenen Schäden erreichten im Jahr 2022 mehr als 200 Milliarden Euro. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Anwendungen und Einsatzgebiete von Künstlicher Intelligenz zu – sie soll menschliches Denken nachahmen und letztendlich übertreffen. KI übernimmt schon heute verschiedenste Aufgaben und kann auf einen Wissensschatz in einer Geschwindigkeit zurückgreifen, wie es für Menschen unmöglich wäre. Gleichzeitig gibt es Ansätze, künstliche Intelligenz in der Cybersecurity einzusetzen, um Unternehmen vor Cyberangriffen zu schützen. Bei uns zu Gast war Cybersecurity-Experte Georg Magg, Senior Managing Director EMEA bei SilverSky. Er berichtet von seinen Einblicken und Erfahrungen in die scheinbar konträren Bereiche und wie die erfolgreiche Kombination einen echten Mehrwert für Unternehmen bringen kann.

Cybersecurity als neue Bedrohung für Unternehmen

Seit Anfang der 2000er Jahre hat sich sehr viel geändert: Cyberangriffe sind zu einer der zentralen Bedrohungen für Unternehmen geworden. Grund dafür ist zum einen die zunehmende Digitalisierung, die Unternehmen auch auf digitaler Ebene zunehmend angreifbar macht. Daten sind in vielen Bereichen zu einer Art Währung geworden: „Mit Daten wird gehandelt – Kreditkarten, persönliche Daten, Emails werden genutzt, um anderen Schaden zuzufügen“, berichtet Georg Magg. Auch die Geschwindigkeit unserer heutigen Computer und die Bandbreite des Internets spielen eine zentrale Rolle. Gleichzeitig sind durch diesen Fortschritt auch die Zahl der Möglichkeiten gestiegen, um Schaden zu verursachen. Im Vergleich zu Vorjahr hat die Zahl der Vorfälle in 2023 um 6,5 Prozent zugenommen. Auch die Zahl der Experten hat sich in den letzten 20 Jahren enorm verändert: Während es zu Beginn eher „Allrounder“ im Bereich IT-Sicherheit gab, sind die Fachexperten heute sehr viel spezialisierter.

Cybersecurity: Der Schutz von digitalen Daten

„Cybersecurity umfasst eigentlich die gesamte IT-Infrastruktur, also alles, was mit Information und IP-basierter Kommunikation zu tun hat“, erklärt Georg Magg. Es geht also um den Schutz von Computersystemen, Netzwerken, Geräten sowie Daten verschiedenster Art. Das Augenmerk liegt dabei aber nicht nur auf den Produkten oder Anwendungen, den Schnittstellen zwischen einzelnen Systemen, sondern auch auf Prozessen, Abläufen und der besonderen Rolle des Menschen bei diesem Thema. Ziel ist es, möglichst wenig Schwachstellen oder Lücken in einem System zu haben.

Künstliche Intelligenz: nicht nur Trend, sondern echtes Potenzial

Künstliche Intelligenz (KI) ist zwar ein Konzept, das theoretisch schon seit etwa einem Jahrzehnt existiert, doch erst in den letzten Jahren haben wir die notwendige Rechenkapazität erreicht, um sie in vollem Umfang zu nutzen und auch in der breiten Masse anzuwenden. Diese technologische Entwicklung hat es ermöglicht, dass KI nicht mehr nur ein faszinierendes Konzept in Wissenschaft und Literatur bleibt, sondern ein integraler Bestandteil unserer alltäglichen digitalen Werkzeuge geworden ist. KI ermöglicht es uns, komplexe Algorithmen und Datenanalysen durchzuführen, die für fortgeschrittene Cybersecurity-Maßnahmen entscheidend sind.

Wie passen KI und Cybersecurity zusammen?

Durch die Möglichkeit, umfassende Datenmengen schnell und effizient zu verarbeiten, hat KI die Art und Weise, wie wir Cyber-Bedrohungen begegnen, revolutioniert und ist sogar zu einem Verbündeten im Kampf gegen Cyberkriminalität geworden. Auch wenn KI auch die Möglichkeit hat, Hacker bei Cyberangriffen zu unterstützen, kann sie auch genau auf der anderen Seite bei Schutzmaßnahmen und Prävention helfen. KI nutzt hier eine Reihe fortschrittlicher Techniken und Werkzeuge, um Netzwerke zu schützen und auf Bedrohungen zu reagieren. In folgenden Bereichen wird KI im Rahmen der Cybersecurity bereits erfolgreich eingesetzt:

1. Anomalieerkennung:

    KI-Systeme sind hervorragend darin, Muster zu erkennen. Sie können große Mengen von Netzwerkverkehr analysieren und ungewöhnliche Verhaltensweisen identifizieren, die auf Sicherheitsverletzungen hindeuten könnten.

    2. Automatisierte Reaktionen:

    KI kann so programmiert werden, dass sie automatisch auf erkannte Bedrohungen reagiert, beispielsweise durch Isolierung eines infizierten Netzwerksegments, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

    3. Phishing-Erkennung:

    KI-Algorithmen können E-Mail-Inhalte auf potenzielle Phishing-Versuche analysieren, indem sie Betrugstaktiken und schädliche Links erkennen, die dem menschlichen Auge möglicherweise entgehen.

    4. Bedrohungsanalyse:

    Durch das Sammeln und Analysieren von Informationen über bekannte Bedrohungen kann KI dabei helfen, Sicherheitstrends zu erkennen und Voraussagen über zukünftige Angriffe zu treffen.

    5. Verhaltensbasierte Biometrie:

    KI kann zur Authentifizierung verwendet werden, indem sie lernt, wie sich Benutzer normalerweise verhalten, und dadurch unautorisierte Benutzer identifizieren, die von diesem Verhalten abweichen.

    6. Schwachstellenmanagement:

    Mit KI-Unterstützung können Schwachstellen in Software und Netzwerken schneller identifiziert und priorisiert werden, um sicherzustellen, dass kritische Sicherheitslücken umgehend geschlossen werden.

    7. Sicherheitsbewertung und -audits:

    KI-Tools können kontinuierliche Bewertungen der Netzwerksicherheit durchführen und detaillierte Berichte generieren, die bei der Überprüfung und Verbesserung der Sicherheitsstrategien helfen.

    8. Predictive Security:

    Mithilfe von maschinellem Lernen und Datenanalyse kann KI zukünftige Angriffsvektoren vorhersagen und präventive Maßnahmen empfehlen.

    Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Möglichkeiten und Situationen, in denen KI im Bereich der Cybersecurity eingesetzt werden kann. Was jedoch auf jeden Fall klar ist, dass der Einsatz in der Zukunft immer weiter zunehmen wird.

    Human Factor & Insider Threat – die Rolle des Menschen in der Cybersecurity

    Der „Human Factor“ wird oft als eines der größten Risiken angesehen. Trotz fortschrittlichster Sicherheitstechnologien bleibt der Mensch die Variable, die am schwierigsten zu kontrollieren ist. Von einfachen Fehlern wie dem Klick auf einen schädlichen Link in einer Phishing-E-Mail bis hin zu komplexeren Insider-Bedrohungen, bei denen Mitarbeiter wissentlich oder unwissentlich Unternehmenssicherheitssysteme untergraben – die menschliche Komponente kann das schwächste Glied in der Cybersecurity-Kette sein. Deshalb wird der Mensch auch oft als „Insider Threat“ bezeichnet. Ein umfassender Ansatz zur Minderung dieser Risiken muss daher sowohl technische Lösungen als auch fortlaufende Schulungen und Erinnerungen umfassen, um das Bewusstsein und die Wachsamkeit gegenüber Cyberbedrohungen auf allen Ebenen einer Organisation zu schärfen.

    Cybersecurity-Risiko für Unternehmen

    Es gibt immer noch einige Unternehmen, die das Thema der Bedrohungen rund um die Cybersecurity nicht ernst nehmen und davon ausgehen, es würde sie nicht treffen. Doch, das ist leider nicht der Fall: jedes Unternehmen – egal, wie groß oder eben wie klein es ist; egal in welcher Branche – kann einer Cyberattacke zum Opfer fallen. Jedes Unternehmen lebt von seinen Kundinnen und Kunden, denn sie sind die Basis dieses Unternehmens. Wenn bei einem Hackangriff Kundendaten verloren werden, dann wird die Reputation des rapide sinken und das Vertrauen nachhaltig beeinträchtigt. Auch der Stillstand oder Kontrolle über die IT-Infrastruktur kann die gesamte Organisation eines Unternehmens zum Stillstand bringen. Deshalb ist es wichtig, dass Unternehmen Vorkehrungen im Bereich Cybersecurity treffen und die eigenen Mitarbeitenden sensibilisieren. Auch mit Blick auf Cybersecurity-Versicherungen empfiehlt unser Experte Georg Magg einen größeren Fokus auf die internen Sicherheitsvorkehrungen: „Die Anforderungen sind dramatisch gestiegen und wenn diese nicht erfüllt werden, steigt die Versicherungssumme enorm nach oben.“

    Die Zukunft im Bereich Cybersecurity

    Cybersecurity – vor allem in Kombination mit Künstlicher Intelligenz – ist ein sehr komplexes und umfangreiches Thema, das nicht nur in der IT-Branche immer weiter an Relevanz gewinnt. Die Geschwindigkeit neuer Entwicklungen und damit auch neuer Bedrohungen ist enorm. Je intensiver sich Unternehmen mit diesem Thema auseinandersetzen, Vorkehrungen treffen und den „Inside Threat“ bestmöglich minimieren, desto gezielter und effektiver können mögliche Cyberangriffe abgewehrt und im Fall der Fälle behandelt werden.

    Experten im Bereich der Cybersecurity werden immer gefragter, unter anderem auch deshalb, weil das Feld immer komplexer und die Anforderungen immer größer werden. Als Projekt- und Personalberatung unterstützt die Sirato Group Sie gerne bei der Suche nach passenden Cybersecurity Experten für Ihr Unternehmen oder unterstützen Sie bei der Suche nach einer neuen Herausforderung und spannenden Projekten in diesem Bereich.

    Wenn Sie noch mehr zum Thema Cybersecurity und KI erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen die Podcast-Episode #22 von „Herz & Fuß“:

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